{"id":8631,"date":"2020-04-16T17:05:36","date_gmt":"2020-04-16T15:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/?p=8631"},"modified":"2020-04-16T17:05:36","modified_gmt":"2020-04-16T15:05:36","slug":"45-dortmunder-buecherstreit-nachlesen-statt-live-streiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/2020\/04\/16\/45-dortmunder-buecherstreit-nachlesen-statt-live-streiten\/","title":{"rendered":"45. Dortmunder B\u00fccherstreit: Nachlesen statt live-streiten"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Der 45. Dortmunder B\u00fccherstreit musste <strong>aufgrund<\/strong> der aktuellen Lage rund um das <strong>Coronavirus abgesagt<\/strong> werden. Doch die Referenten Marianne Brentzel, Julia Sattler, Rutger Boo\u00df, Horst-Dieter Koch und Ulrich Moeske haben trotzdem wie versprochen <strong>Neuerscheinungen des Buchmarktes<\/strong> gelesen. Ihre Buchvorschl\u00e4ge und warum Sie diese lesen sollten, erfahren Sie<strong> hier.<\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8672\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-8672 size-medium\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit-300x188.jpg\" alt=\"B\u00fccherstreit\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit-300x188.jpg 300w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit-768x481.jpg 768w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit-1024x642.jpg 1024w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/B\u00fccherstreit.jpg 1884w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Doch wie kommen Sie an all die hier vorgestellten B\u00fccher, wo die Stadt- und Landesbibliothek als Schutzma\u00dfnahme bis auf Weiteres geschlossen hat? Die L\u00f6sung:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Viele \u00f6rtliche Buchh\u00e4ndler bieten neben dem normalen Bestellservice (f\u00fcr B\u00fccher, die nicht im Gesch\u00e4ft vorr\u00e4tig sind) auch einen zus\u00e4tzlichen\u00a0Lieferservice oder organisieren eine kontaktlose Abholung im Laden. Am besten kontaktieren Sie Ihre Buchhandlung vorher per Mail oder Telefon. Unterst\u00fctzen Sie Ihren lokalen Buchh\u00e4ndler*in um die Ecke.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h6>Inhalt dieses Artikels<\/h6>\n<p>Nachfolgend werden Ihnen diese B\u00fccher vorgestellt:<\/p>\n<ol>\n<li>Bachtyar Ali: Perwanas Abend<\/li>\n<li>Dave Eggers: Die Parade<\/li>\n<li>Michael Kumpfm\u00fcller: Ach, Virginia<\/li>\n<li>Aris Fioretos: Nelly B`s Herz<\/li>\n<li>Fran Ross: Oreo<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Buchtipps<\/p>\n<hr \/>\n<h4>1. Bachtyar Ali: Perwanas Abend [Unionsverlag]<\/h4>\n<p><strong>B<\/strong>achtyar Ali, kurdischer Schriftsteller, geboren 1966, bekam 2014 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund. In der Begr\u00fcndung hie\u00df es damals:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">\u201eEr erinnert als bedeutender Autor der islamischen Welt an die gro\u00dfe orientalische Erz\u00e4hltradition und schildert auf hochpoetische Weise eine unbekannte Welt: Das Schicksal der irakischen Kurden&#8230; &#8211; Bachtyar Ali geriet selbst in Konflikte mit der Diktatur seines Landes und floh in den Neunzigerjahren nach Deutschland.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das sagt Fr. Marianne Brentzel \u00fcber das Buch &#8222;Perwanas Abend&#8220;:<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/3293310702.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8651\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-8651\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/3293310702-188x300.jpg\" alt=\"Buchempfehlung Bachtyar Ali\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/3293310702-188x300.jpg 188w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/3293310702.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>P<\/strong>erwana, ein junges M\u00e4dchen aus einem kurdischen Dorf, mutig, lebenshungrig, klug, hat keine Chance auf Entfaltung. Der Vater, die Br\u00fcder, aber auch die tyrannischen H\u00fcterinnen von Sitte und Glauben sitzen ihr im Nacken. Hier ist kein Platz f\u00fcr ihre Talente und schon gar nicht f\u00fcr die Liebe. Junge Leute verschwinden aus der Stadt. Als auch Perwana verschwindet, bricht f\u00fcr ihre kleine Schwester Khandan eine Welt zusammen. Sie sucht Perwanas Spuren und erf\u00e4hrt vom verborgenen &#8222;Tal der Liebe&#8220; hoch in den Bergen, in dem die Paare ihre Hoffnungen erf\u00fcllen wollten. Doch auch das zauberhafte &#8222;Land der Liebe\u201c bleibt Utopie.<\/p>\n<p>Bachtyar Ali gelingen Bilder von gro\u00dfer Eindringlichkeit. Was grausame religi\u00f6se Gewalt mit einer Gesellschaft macht, f\u00fchrt Ali in selten drastischer Weise vor.<\/p>\n<p>Ich habe das Buch mit gro\u00dfem Interesse gelesen. Die Welt, in die es uns f\u00fchrt, war mir total fremd. Es ist anstrengend und faszinierend zugleich, das Buch zu lesen.<\/p>\n<p>Lassen Sie sich drauf ein!<\/p>\n<h4>2. Dave Eggers: Die Parade [Kiepenheuer &amp;Witsch]<\/h4>\n<p><strong>E<\/strong>in Stra\u00dfenbauprojekt soll ein von einem B\u00fcrgerkrieg zerrissenes Dritte-Welt- Land einen. Mit einer supermodernen Maschine soll die Stra\u00dfe vom armen S\u00fcden des Landes bis zur Hauptstadt im Norden asphaltiert und das Bauende dann mit einer gro\u00dfen Parade gefeiert werden.<\/p>\n<p>Zwei Leute sind f\u00fcr den Stra\u00dfenbau verantwortlich. Vier ist der Maschinenf\u00fchrer. Er hasst alle Verz\u00f6gerungen, die das z\u00fcgige Arbeiten erschweren. Vier scheint nur f\u00fcr seine Arbeit zu leben. Das Leben der Leute interessiert ihn nicht. Ohnehin hat es die Firma untersagt, zu Einheimischen Kontakt aufzunehmen. Vier scheint ein gef\u00fchlloser empathiefreier Technokrat zu sein.<\/p>\n<p>Neuns Job als unentbehrliche Hilfskraft ist es, auf einem Quad den Stra\u00dfenabschnitt vor dem Asphaltierungeheuer von Gefahren zu befreien: Etwa von spielenden Kindern, streunendem Vieh und grobem Gestein. Neun ist neugierig auf Land und Leute und sucht den \u2013 verbotenen &#8211; Kontakt zu Einheimischen. Vier empfindet die Einheimischen als Bedrohung, Neun als Bereicherung.<\/p>\n<p>Zu dem ungleichen Paar gesellt sich als dritte Hauptperson Medaillon, ein Einheimischer, von Vier \u00e4u\u00dferst misstrauisch be\u00e4ugt, der sich aber in der komplizierten Situation, in die Neun sich, seinen Chef Vier und das ganze Unterfangen gebracht hat, als wirksamer Probleml\u00f6ser erweist.<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/dieparade.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-8656\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8656\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/dieparade.jpeg\" alt=\"Buchempfehlung Dave Eggers\" width=\"104\" height=\"142\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Hr. Rutger Boo\u00df&#8216; Meinung zu &#8222;Die Parade&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<strong>D<\/strong>ie Parade\u201c ist ein konfliktreiches schnelles road movie, das trotz humoristischer Passagen ebenso tiefschwarz endet wie der fr\u00fcher im B\u00fccherstreit besprochene \u201ecircle\u201c.<\/p>\n<p>Pessimist Eggers erz\u00e4hlt in knappster Form von Konflikten der Wei\u00dfen mit der Dritten Welt, von der zweifelhaften Rolle der NGOs und vom Zwiespalt der Einheimischen zwischen Tradition und Moderne. Nach einer 25t\u00e4gigen \u00c4thiopien-Reise im Januar 2020 habe ich dieses Buch mit ganz besonderem Genuss gelesen.<\/p>\n<h4>3. Michael Kumpfm\u00fcller: Ach, Virginia [Kiepenheuer &amp; Witsch]<\/h4>\n<p><strong>E<\/strong>s ist Krieg. Deutsche Bomber \u00fcber London. Virginia Woolf und ihr Mann Leonard haben sich in ein Haus auf dem Land zur\u00fcckgezogen. Sie hat gerade ihren letzten Roman beendet und f\u00e4llt nun in eine tiefe Depression. Nicht zum ersten Mal. Jetzt will sie ihrem Leben ein Ende setzen. Der Abschiedsbrief an den Ehemann ist schon geschrieben. Der Weg zum Fluss ist kurz. Aber der Versuch sich zu ertr\u00e4nken scheitert. 10 qu\u00e4lende Tage noch.<\/p>\n<p>Angst hat sie vor den N\u00e4chten, in denen die Geister der Vergangenheit sie bedr\u00e4ngen. Der \u00fcberm\u00e4chtige Vater, vor allem ihre beiden Halbbr\u00fcder, die sie als kleines M\u00e4dchen m\u00f6glicherweise <a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Ach-Virginia.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8653\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8653\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Ach-Virginia-183x300.jpg\" alt=\"Empfehlung Michael Kumpfm\u00fcller\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Ach-Virginia-183x300.jpg 183w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Ach-Virginia.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a>missbraucht haben. Von ihrer Familie ist ihr nur Vanessa geblieben, die sie besucht, die ihr schreibt, die ihr r\u00e4t. Aber die sie nicht versteht. Keiner versteht sie. Auch Leonard nicht, der in 30 Jahren Ehe immer gut zu ihr war, ruhig, besch\u00fctzend, ihre k\u00f6rperliche Ablehnung hingenommen hat. Konnte es einen besseren Mann geben, eine gl\u00fccklichere Ehe? Aber war diese Ehe nicht auch eine Falle, ein Gef\u00e4ngnis mit Leonard als W\u00e4chter?<\/p>\n<p>Es gab gl\u00e4nzende Momente in ihrem Leben: ber\u00fchmt, reich, der Mittelpunkt der Salons. Allen turmhoch \u00fcberlegen und gnadenlos darin, es Alle sp\u00fcren zu lassen. Ist sie so selbsts\u00fcchtig, in sich selbst verliebt geblieben \u2013 auf Kosten anderer? In der Beziehung zu Vita, der einzigen leidenschaftlichen Liebe ihres Lebens, war sie jedenfalls eher das Opfer, die oft Entt\u00e4uschte, schlie\u00dflich Verlassene. Immer wieder die Frage, ob ihre Romane wirklich gut waren. Leonard liest ihr eine Passage vor. Doch, es gef\u00e4llt ihr, was sie h\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Das sagt Hr. Horst-Dieter Koch \u00fcber den Roman &#8222;Ach, Virginia&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p><strong>V<\/strong>on Tag zu Tag schildert Kumpfm\u00fcller den Pers\u00f6nlichkeitsverfall der Autorin. Ihre Angst, dass sie v\u00f6llig verr\u00fcckt wird, in der Irrenanstalt landet. Das muss sie verhindern. Der Fluss wartet auf sie.<\/p>\n<p>\u00dcber 230 Seiten wendet Michael Kumpfm\u00fcller auf, um die Gef\u00fchle, seelischen Ersch\u00fctterungen, Gedanken Virginia Woolfs in ihren letzten 10 Tagen zu erz\u00e4hlen. Eindrucksvoll kunstfertig. Aber es bleibt Unterstellung. Die Wirklichkeit kann viel banaler gewesen sein \u2013 oder viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<h4>4. Aris Fioretos: Nelly B`s Herz [Hanser Verlag]<\/h4>\n<p><strong>W<\/strong>enn das Herz nicht mehr kann oder will, findet frau neue Wege. Nelly (dahinter versteckt sich Melli Beese, die erste Frau in Deutschland mit einem Privatpilotenschein) ist in den 20er Jahren Deutschlands bekannte \u201efliegende\u201c Frau und betreibt eine Pilotenschule in Berlin. Als das Herz nicht mehr mitspielt, bricht eine Welt zusammen.<\/p>\n<p>Nelly orientiert sich um. In der neuen Welt verschiebt sich fast alles, auch die Liebe. Aber es l\u00e4uft nicht rund (wie auch) und so ger\u00e4t die Heldin des Romans immer tiefer in eine letztendlich ausweglose Lage, gekennzeichnet durch Drogen, Medikamentenmi\u00dfbrauch, Einsamkeit, Suizidgedanken, gelegentlich \u00fcberdeckt und unterbrochen durch heitere und hoffnungsvoll Momente.<\/p>\n<p><strong>Deshalb empfiehlt Hr. Ulrich Moeske &#8222;Nelly B&#8217;s Herz&#8220;:<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/54743.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8650\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8650\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/54743.jpg\" alt=\"Empfehlung Aris Fioretos\" width=\"80\" height=\"123\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>D<\/strong>er Autor unterlegt die Liebesgeschichte zweier Frauen mit Aspekten und Schilderungen der spannenden 20er Jahre in Berlin. Der Aufbruch der Frauen in dieser Zeit ist bekannt und historisch belegt. Eine neue Zeit abseits der Beschr\u00e4nkungen des wilhelminischen Kaiserreiches gibt Freiheit und Lebensfreude. Da ist nun Platz f\u00fcr neue Ideen, neue Wege und bisher unbekannte Vergn\u00fcgungen, auch der gef\u00e4hrlichen Art. Aber gesund sollte man sein, was Nelly nicht ist.<\/p>\n<p>Aris Fioretos zeichnet eine Biographie, verbunden mit einem Zeitbild. Spannend und fl\u00fcssig zu lesen versetzt man sich in Nelly, erlebt Freud und Leid, versteht die Welt oder auch nicht mehr und erkennt am Ende, dass der Mensch eben nicht nur ein technisch funktionierendes Lebewesen ist, sondern dass auch die Psychologie ihren Platz behauptet.<\/p>\n<h4>5. Fran Ross: Oreo [Dtv]<\/h4>\n<p><strong>W<\/strong>issen Sie, was ein Oreo ist? Das ist dieser kleine schwarze Keks mit wei\u00dfer F\u00fcllung \u2013 genau, so \u00e4hnlich wie Prinzenrolle, aber eben umgekehrt; ein Keks in einer blauen Verpackung; aus den USA kommt er urspr\u00fcnglich.<\/p>\n<p>Oreo, so hei\u00dft auch das Buch von Fran Ross, welches bereits 1974 \u2013 also in einer ganz anderen und noch viel st\u00e4rker von der B\u00fcrgerrechtsbewegung gepr\u00e4gten Zeit \u2013 geschrieben und in Amerika ver\u00f6ffentlicht wurde. Die \u00dcbersetzung ins Deutsche von der wirklich genialen Pieke Biermann und die Ver\u00f6ffentlichung bei dtv, mitsamt Nachwort des Essayisten Max Czollek, erlebt Fran Ross, geboren 1935 in Philadelphia, nicht mehr mit: Sie ist bereits 1985 verstorben.<\/p>\n<p>Oreo, eigentlich Christine, ist die Tochter einer afroamerikanischen Mutter und eines j\u00fcdischen wei\u00dfen Vaters, der sich aus dem Staub gemacht hat, und \u00fcber den die Protagonistin daher kaum etwas wei\u00df. Der Text beschreibt die Suche Oreos nach ihren Wurzeln und nach ihrer Identit\u00e4t zwischen schwarz und wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>Fr. Julia Sattler \u00fcber &#8222;Oreo&#8220;:<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/9783423281973.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8652\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-8652\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/9783423281973-184x300.jpg\" alt=\"Empfehlung Fran Ross\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/9783423281973-184x300.jpg 184w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/9783423281973.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>D<\/strong>as Buch hat zwei Teile: Troizen \u2013 wie der Geburtsort des antiken Helden Theseus, eine wichtige Referenz im Text \u2013 und M\u00e4andern \u2013 hier geht es um Suche nach dem Vater in New York. Wir begleiten Oreo in den Waschsalon, in die Sauna, in die U-Bahn, in die Bibliothek und sogar zu den GI.<\/p>\n<p>Das Ganze geschieht zwar chronologisch, so dass man der Handlung im Gro\u00dfen und Ganzen folgen kann \u2013 aber trotzdem ist dies ein wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlicher Text und keineswegs die Nacherz\u00e4hlung einer Suche nach einem Angeh\u00f6rigen. Er strotzt vor Sprachspielen und Experimenten im Ausdruck, vor Verweisen, vor jiddischen W\u00f6rtern, auch vor Absurdit\u00e4ten \u2013 ein wirklich \u201epostmoderner\u201c Text, wenn man das so sagen kann (zu meinen Studierenden w\u00fcrde ich das genauso sagen). Er ist witzig, wenn auch an einigen Stellen eher vulg\u00e4r.<\/p>\n<p>Trotzdem: Um Siri Hustvedt, die auf dem Cover zitiert wird, wiederzugeben: \u201eIch habe st\u00e4ndig laut gelacht.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<h4>Buchtipps<\/h4>\n<p>F\u00fcr alle Lesehungrigen, denen die 5 vorgestellten B\u00fccher nicht ausreichen, haben die Referenten weitere Tipps.<\/p>\n<h6><strong>Hr. Ulrich Moeske empfiehlt: Daniel Mason &#8222;Der Wintersoldat&#8220; [C.H. Beck Verlag]<\/strong><\/h6>\n<p><a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/der-wintersoldat-daniel-mason.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-8654\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8654\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/der-wintersoldat-daniel-mason-192x300.jpeg\" alt=\"Empfehlung Daniel Mason\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/der-wintersoldat-daniel-mason-192x300.jpeg 192w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/der-wintersoldat-daniel-mason.jpeg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><strong>A<\/strong>ls 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, ist Lucius ein hochbegabter, mit viel theoretischem Wissen ausgestatteter Medizinstudent in Wien. Auch ihn zieht es in den Krieg und er landet im kalten Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten an der \u00f6sterreichischen Ostfront. Was dort abl\u00e4uft, ist f\u00fcr Lucius kaum zu ertragen. So hat man sich den Krieg und seine unmittelbaren Folgen nicht vorgestellt. Krankenschwester und Nonne Margarete bringt ihm die Praxis bei, die schmerzhafter ausf\u00e4llt als alle Theorie.<\/p>\n<p>Daniel Mason hat ein Antikriegsbuch geschrieben, ohne die Leserschaft zu verschonen. Man ist \u201emittendrin\u201c, ohne dass man sich das Grauen so wirklich vorstellen kann. \u00dcberleben kann man in einer solchen Lage nur durch Solidarit\u00e4t, gegenseitige Hilfe, Verl\u00e4sslichkeit und durch die Liebe. Personen, die Lucius im Lazarett kennen und sch\u00e4tzen lernt, retten ihn sp\u00e4ter aus eine schier ausweglosen Situation. Die Liebe jedoch scheint an den kriegerischen Verh\u00e4ltnissen zu scheitern.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckgekehrt nach Wien findet Lucius eine Stadt im Epizentrum der Katastrophe, besonders nach dem Tod Kaiser Franz Josefs. Die sogenannte Wiener \u201eGesellschaft\u201c zerf\u00e4llt genauso wie die KuK-Monarchie. Derweil versucht Lucius, seine Liebe wiederzufinden.<\/p>\n<p>Ausgesprochenes Lesefutter. Man erkennt: Auch \u201egute\u201c Literatur kann lesbar sein. Spannend bis zur letzten Seite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><strong>Fr. Julia Sattler empfiehlt: Ocean Vuong &#8222;Auf Erden sind wir kurz grandios&#8220; [Hanser-Verlag]<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/53456.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8649\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8649\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/53456.jpg\" alt=\"Buchempfehlung Ocean Vuong\" width=\"80\" height=\"131\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/h6>\n<p><strong>O<\/strong>cean Vuong kenne ich eigentlich als Lyriker \u2013 Texte aus seinem inzwischen auch bilingual erschienenen B\u00e4ndchen Night Sky with Exit Wounds\/ Nachthimmel mit Austrittswunden unterrichte ich regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Auf Erden sind wir kurz grandios ist der Deb\u00fctroman Vuongs, Sohn vietnameischer Einwanderer in die USA. Es ist der Brief eines Sohnes an die Mutter, die ihn jedoch als Analphabetin, die nur rudiment\u00e4r die englische Sprache beherrscht, nie lesen wird. Es geht um Familie, um Gewalt, um das anders Sein \u2013 das alles ein einer sehr poetischen Sprache: grandios, im Original wie auch in der \u00dcbersetzung Anne-Kristin Mittags.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><strong>Fr. Marianne Brentzel empfiehlt: Ken Krimstein &#8222;Die Drei Leben der Hannah Arendt&#8220; [Dtv]<a href=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/die-drei-leben.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8655\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8655\" src=\"http:\/\/stadt.dortmund.de\/bibliothek\/blog\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/die-drei-leben-223x300.jpg\" alt=\"Empfehlung Ken Krimstein\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/die-drei-leben-223x300.jpg 223w, https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/die-drei-leben.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a><\/strong><\/h6>\n<p><strong>H<\/strong>annah Arendt: streitbare Jahrhundertdenkerin, war auf einsch\u00fcchternde Weise klug. 1933 musste sie aus Nazi-Deutschland ins Exil fliehen, zun\u00e4chst nach Paris, sp\u00e4ter dann in die USA. Von dort aus wurde sie zu einer der gro\u00dfen Denkerinnen unserer Zeit. &#8218;Die drei Leben der Hannah Arendt&#8216; skizziert rasant und liebevoll ihren Lebensweg.<\/p>\n<p>Es ist eine graphic novel, ein Genre, das ich sonst gar nicht sch\u00e4tze, aber bei dieser Variante bin ich v\u00f6llig begeistert und kann der gro\u00dfen Denkerin fasziniert folgen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Obwohl der B\u00fccherstreit im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek Ende M\u00e4rz leider entfallen musste, freuen wir uns trotzdem \u00fcber <strong>Ihr Feedback<\/strong> zu den vorgestellten B\u00fcchern. Tipps und Anregungen k\u00f6nnen Sie uns nat\u00fcrlich auch gerne \u00fcber die Facebookseite, Instagram, per Mail oder als <strong><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.dortmund.de\/de\/leben_in_dortmund\/bildungwissenschaft\/bibliothek\/service_angebote\/literaturservice\/medienwunsch\/index.jsp\" target=\"_blank\">Anschaffungsvorschlag f\u00fcr die Bibiothek<\/a> <\/strong>mitteilen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Dortmunder B\u00fccherstreit ist eine Kooperationsveranstaltung vom Kulturb\u00fcro, der VHS, der Buchhandlung Litfass und der Stadt- und Landesbibliothek.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 45. Dortmunder B\u00fccherstreit musste aufgrund der aktuellen Lage rund um das Coronavirus abgesagt werden. Doch die Referenten Marianne Brentzel, Julia Sattler, Rutger Boo\u00df, Horst-Dieter Koch und Ulrich Moeske haben trotzdem wie versprochen Neuerscheinungen des Buchmarktes gelesen. Ihre Buchvorschl\u00e4ge und warum Sie diese lesen sollten, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag. Viel Spa\u00df!<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,1322,3],"tags":[86,1371,1370,1362,309,1372,1368,1369,529,1026,619],"class_list":["post-8631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-freunde-der-bibliothek","category-veranstaltungen","tag-bucherstreit","tag-buchhandlung","tag-buchtipps","tag-corona","tag-kooperation","tag-kulturbuero","tag-neuerscheinungen","tag-romane","tag-studio-b","tag-unterhaltung","tag-vhs"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8631\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stlb-blog.dortmund.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}